Autumn ist ein absoluter Glücksgriff: Ob „Playboy“ oder TRIP, um die 27jährige Kalifornierin reißen alle. Sie lässt Männerherzen höher schlagen, bringt Augen zum Leuchten, ist in punkto Erotik eine Quelle sprudelnder Phantasie. Autumn Sonnichsen ist ein heimlicher Star auf ihrem Gebiet, eine Spezialistin für Sinnlichkeit und atemberaubende Schönheit. Wenn sie verführt, dann auf vollendet natürliche Weise. Alles stimmt: Pose, Proportion, Ausdruck. Dort, wo sie wirkt, hinterlässt sie Gravuren unwiederbringlicher Momente.

Die Künstlerin, um die es hier geht, ist eine zutiefst sinnliche Frau, ohne Scheu, stets neugierig, immer bereit, das Beste aus sich herauszuholen. Ihr Platz ist nicht vor, sondern hinter der Kamera. Dort, wo sonst meist Männer mit mehr oder weniger fester Hand Regie führen und die Komposition erotischer Bildwelten bestimmen, ist sie fast eine Ausnahmeerscheinung.

Als eine der weltweit besten Erotik-Fotografinnen der jungen Generation hat sie abertausende Aufnahmen gemacht, und doch wirkt jedes neue Bild frisch wie Morgentau. Autumn, eine wahre Kosmopolitin, die Englisch, Portugiesisch, Französisch, Spanisch und Deutsch spricht, in New York und São Paulo zu Hause ist, reiten und Motorrad fahren kann wie der Teufel, verkörpert wie kaum eine andere eine frische, unbelastet denkende Generation von Fotografen, denen die künstlerische Unabhängigkeit und Authentizität wichtiger ist als vordergründiger Status und Allüren. Die Mädchen reissen sich darum, von ihr fotografiert zu werden. Sie wollen Hauptfigur sein in einer von Autumns Bildergeschichten, die immer wieder viel erzählen von Freiheit, Natürlichkeit, weiblicher Selbstbestimmtheit und Stolz.

Autumn Sonnichsen

Zum Treffen in Vila Madalena, dem Künstlerviertel von São Paulo, kommt sie mit dem Fahrrad, sportlich gekleidet, ungeschminkt. Plötzlich steht sie da, fast burschikos, im Gesicht ein gewinnendes Lächeln. Bei einer großen Portion Feijoada, dem traditionellen Eintopf aus schwarzen Bohnen, nimmt sie Witterung auf, erzählt sie aus ihrem Leben.

Ihre Karriere lief – wie bei vielen Künstlern – nicht unbedingt stromlinienförmig. Ursprünglich hatte Autumn Kunstgeschichte studiert, unter anderem in Paris. „Ich wollte mal Lehrerin und Schriftstellerin werden“, erzählt sie, „hatte eigentlich vor zu schreiben. Das mache ich heute noch, schreibe oft für TRIP die Texte zu den Mädchenstrecken, und ich hab mal einen Blog geschrieben für die Zeitschrift Stern“.

Während der Schulzeit hatte Autumn zwar mal einen Kurs absolviert in Schwarzweiss-Fotographie und Laborarbeit, wollte damals aber eher in Richtung Werbung.

„Wirklich auf die Fotografie gekommen bin ich, als ich von 1999 bis 2000 in Berlin war“, berichtet Autumn: „Dort habe ich meine erste Modestrecke gemacht“.

Und auf einmal war sie mittendrin im Fotozirkus, assistierte für verschiedene Mode-Fotografen und lernte dadurch verschiedene Stile kennen. „Wir sind damals immer nach Kapstadt zum Fotografieren geflogen“, erinnert sie sich. „Da hatten wir perfektes Wetter und eine große Auswahl an Models“.

Brasilien, ihre spätere Wahlheimat, hatte sie damals noch nicht auf dem Zettel, obwohl es das Sonnenkind Autumn stets in den Süden gezogen hat. „In São Paulo wollte ich anfangs eigentlich nur ein paar Monate bleiben“, erinnert sich die Kalifornierin. Aber dann sei sie in Kontakt mit der Redaktion des brasilianischen Szene- und Männerzeitschrift „Eleela“ gekommen, für das sie dann als Bildredakteurin und Fotografin gearbeitet hat. Jetzt war sie wirkliche professionelle Akteurin, fand ihre Bestimmung in der Welt der erotischen Fotografie, die insbesondere in Brasilien mit seiner großen Auswahl an wunderschönen Mädchen und herrlichen Kulissen (8000 Kilometer Stand am atlantischen Ozean) ideale Rahmenbedingungen findet.

Ihr erstes großes Shooting für TRIP machte sie mit der blonden Brasilianerin Larissa, einer Naturschönheit, die nur so strotzt vor Lebensfreude. Von da an wurde Autumn regelmäßig gebucht von TRIP, aber auch von Playboy. Selbst Men´s Health hat ihre Bilder schon gedruckt.

Autumn besitzt das, was große Fotografen ausmacht: einen eigenen, unverwechselbaren Stil, den untrüglichen Blick für besondere Situationen und die Gabe, zu den Modellen schnell eine spielerische, experimentierfreudige Beziehung aufzubauen. Immer geht es beim Shooten freundschaftlich zu, entspannt. Die Aufnahmen entstehen nicht mit Hilfe hektischer Kommandos, sondern eher fast beiläufig. Diese ruhige Art gibt den Mädchen das Gefühl, sich Autumn wirklich anvertrauen zu können, zu wissen, dass die Frau hinter der Kamera eine Meisterin im Erkennen von Schokoladenseiten ist.

Verbunden mit ihrem Gespür dafür, wie Männer ticken und was sie sehen wollen, verzichtet sie auf die oft kühle skulpturale Herangehensweise anderer Kolleginnen im Bereich Aktfotografie.

„Wenn wir ehrlich sind, geht es doch um Träume“, sagt Autumn. „Männer lieben diese natürliche, frische Attitüde junger Mädchen mit verstrubbelten Haaren und Sand auf der Haut“. Und so sind konsequenterweise eine Reihe von Aufnahmen im Stil eines Roadmovies inszeniert. Luxuriöse Scheinwelten und Pin-up-Posen spielen kaum eine Rolle. Eher geht es um das Gefühl von Freiheit, Abenteuer – sorglos in den Tag hineinleben ohne großes Gepäck.

„Ich will, dass man die Frauen durch die Bilder quasi riechen und spüren kann. Also nahe dran ist“, sagt sie. Fast schnappschussartig aussehende Motive mit viel Bewegung gehören deshalb zum Konzept. „Die Mädchen sind meist Amateurmodelle, die noch andere Berufe haben“, berichtet Autumn. Deshalb sei es für diese Mädchen immer noch etwas Besonderes, solche Shootings zu machen. Einstudierte Posen findet die Fotografin langweilig. Der grobe Rahmen für eine Fotogeschichte bei TRIP entstehe im Team. Man suche gemeinsam die Location aus, mache sich Gedanken über eine Storyidee.

Aber auch die Wünsche und Ideen der Models finden Gehör. „Ich finde es cool, wenn die Mädchen etwas von sich einbringen. Wenn eine dann sagt, dass sie gern auf dem Bett herumhüpfen möchte, dann machen wir das eben“. Obwohl ein professioneller Stylist dabei ist und für eine ausreichende Auswahlmöglichkeit an Accessoires oder Wäsche sorgt, zählt für sie auch, was die Mädchen selbst mitbringen. „In den eigenen Sachen fühlen sie sich oft wohler und entspannter“. Eine ihrer Lieblingsstylistinnen sei ihre Freundin Bianca: „Sie hat immer unglaublich viele Ideen, weiss, welche Dinge sie mitbringen muss, damit ich damit spielen kann“.

Wer von der Redaktion als TRIP-Girl ausgewählt werde, würde sich in der Regel zum ersten Mal unbekleidet zeigen. Vom Typ her favorisiere sie selbst eher Mädchen mit einem dunklen Teint, Mandelaugen und lockigen Haaren, aber sie liebe auf der anderen Seite auch die Vielfalt an Schönheit, die das Völkergemisch in Brasilien biete. Schönheitsoperierte Frauen seien zwar nicht unbedingt ihr Ding, aber trotzdem sieht Autumn das Thema entspannt: „Was gemacht wurde, muss halt zu dem Mädchen passen“. Spannend findet sie, wie sich die favorisierten Mädchentypen von Land zu Land unterscheiden. „In Brasilien ist der Hintern wichtig, in USA der Busen, und in Frankreich kommt ein dunkler Teint gut an. In Deutschland zählen ganz schlanke Frauen, mit schmalen knabenhaften Figuren“.

Erholung von der Arbeit findet Autumn Sonnichsen beim Kochen, Reisen und bei den Treffen mit ihrer Clique. „Wir sitzen oft nächtelang zusammen, diskutieren, schmieden großartige Pläne und trinken Unmengen von Wein“, lacht sie. „Fast alle kommen aus dem Männermagazin-Bereich und haben viel zu erzählen“. Ihre Wohnung in São Paulo liegt übrigens in einem spektakulären, berühmten Gebäude aus den sechziger Jahren, dem Edificio Coban, entworfen von dem brasilianischen Kultarchitekten Oscar Niemeyer. Es ist ein 140 Meter hohes Wohnhaus mit 32 Stockwerken mitten im Zentrum mit der größten Wohnfläche (116.152 Quadratmeter) aller Wohngebäude weltweit. Autumn hat ein Appartement im 19. Stock. Die andere Zeit verbringt sie mit ihrem Mann Andy in New York, der ebenfalls Fotograf ist und ein Studio für Postproduktion betreibt.

Autumn macht keinen Hehl daraus, dass sie sich künstlerisch am wohlsten fühlt, wenn Raum bleibt für Experimente. Freimütig räumt sie ein, dass sie auch schon viel mit Fetisch-Modellen gearbeitet hat und eine Reihe von Porno-Stars fotografierte. „Diese Frauen“, sagt sie, „waren immer interessant. Für eine gewisse Zeit habe ich ganz viele Frauen aus diesem Metier kennengelernt. Kennt man eine, lernt man die anderen kennen, und irgendwann kennt man alle“.

Unabhängiger Geist der sie ist, will sie sich nicht festlegen oder einen bestimmten Stempel aufdrücken lassen. Für eine Künstlerin, die sich weiterentwickeln will, zählen zuallererst Offenheit, Beweglichkeit und Neugier. So gibt es im Buch ihres Lebens wohl noch viele unbeschriebene Seiten.

Als nächstes steht erst einmal Berlin auf dem Kalender, zurück zu den Wurzeln, alte Freunde und Kollegen treffen.

 

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