An die üblichen Schmähungen seiner Arbeit als Porno-Kunst hat er sich längst gewöhnt. Mit seinen weiblichen Skulpturen sorgt Martin di Girolamo auf Kunstmessen und Ausstelllungen regelmässig für Aufregung und Entrüstung. Doch die Provokation ist Teil seiner Arbeit. Denn schonungslos konfrontiet er uns mit den Abziehblildern männlicher Phantasien, stellt auf hyperrealistische Weise Szenen nach, wo dreidimensionale Pinups zur Knetmasse visueller Begehrlicheiten werden. Oberflächlich gesehen scheinen die Bilder und Figuren Sexfilmen entlehnt, wo die offensive Körperspache und Zuschaustellung weiblicher Reize die maskuline Lust in ihrer Banalität entlarvt.
Auf der anderen Seite dringt immer wieder das pure Vergnügen durch, dass dabei genau diese Traumsitutionen und Blickwinkel tief hinter allen rationalen Schichten ihr festes Eigenlebenzu führen scheinen. Nur so ist es zu erklären, dass sich bei Ausstellungen wie jetzt aktuell auf der Kunst II in Zürich kaum jemand dem Bann der Figuren entziehen mag.
Ein besonderes Tabu berührt der Argentinier mit seiner Darstellung von Lolitas, womit freundlich umschrieben magersüchtige Mädchen gemeint sind. Dass
solche ausgemergelten Körper eine starke sexuelle Ausstrahlung haben können, weil die erotisch provokante Gestik und Pose das Verletzte auf krasse Weise zum Lustsignal transformieren, spiegeln diese Arbeiten wieder.

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