Er ist ein wunderbarer Chronist und Beobachter städtischen Lebens. Der 1973 geborene Franzose Christian Guemy hat sich mit seinen Portaits längst einen Ruf erarbeitet, der weit über seine Wirkungsstätte Paris hinausreicht. Mit seinen detailreich ausgearbeiteten Stencils bildet er die Stadtbewohner ab und nimmt meist einen direkten Bezug auf seine Umgebung. „Ich versuche, mit Kontext zu interagieren, so dass ich Elemente und Zeichen, die ich in den Straßen finde, immer wieder in meine Werke einbinde“, erklärt er. Das kann ein Türknauf sein, ein Beschlag, ein Briefkasten.  Guermy sucht die Platzierung seiner Werke sehr sorgfältig aus. Stilistisch nimmt er zum Teil Bezug bei Holzschnitten aus der expressionistischen Zeit um 1912. Er benutzt eine sehr breite Farbpalette, in der er die Werke in die Umgebung „integiert“.

Tpyisch ist, dass er meist eher kleinere Formate wählt. Das zwingt den Betrachter zum genaueren Hinsehen.  Die Inspriationsquelle seiner Portraits sind sehr häufig auch gesellschaftliche Aussenseiter wie Obdachlose oder Strassenkinder. „Ich mag die Dinge und Menschen zu zeigen, die die Gesellschaft oft vor unseren Augen versteckt“, sagt er. Er verleiht seinen Figuren eine grosse Würde und emotionale Wärme, manchmal auch versehen mit einem augenzwinkernden Humor. Auch seine Tochter Nina wählt er gern als Motiv.

Viele Gesichter entstammen dem realen Leben, andere sind Zitate aus der Kunstgeschichte. Je nach Standort wählt er die Sujets sehr genau aus, sie sollen wirklich zu der jeweilligen Stadt oder dem Viertel „gehören“: Caravaggios Bilder an den Wänden von Rom, Ancient Goddesses für Athen, arme Kinder an den Wänden der Favelas. Für seine neuesten Werke in Barcelona hat er Gesichter  entworfen, die fast wie Farbexplosionen scheinen. Wir sehen ein Porträt des Partygirls Edie Sedgwick in der Nähe der Bars von Riera Alta, einen Streetart-Künstler in San Antoni, eine Jungfrau von Botticelli in Raval (leider bereits zerstört), Kinder mit hellen Gesichtern, und auch der Künstler selbst begleitet uns an der einen oder anderen Stelle bei  unseren Spaziergängen.

Für seine Arbeiten greift er auch gern auf das Freihandsprayen zurück. Auf den Einbau von Textzeilen oder Schriftzeichen verzichtet er, um nicht zu viele Botschaften vorzugeben, sondern dem Betrachter ein Maxium an eigenen Interpretationsmöglichkeiten offenzuhalten. Guemy hat seine aufwendigen Stencils schon in zahlreichen internationalen Galerien präsentiert. Aber sie finden sich auch in den Strassen von New Delhi, London, Istanbul, Fes, Rom, Barcelona und Paris.

Mehr Infos

http://www.c215.com

http://www.youtube.com/watch?v=uxww1bd6iQ0


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