Latest news

Sammlung nicht komplett?
Hefte kaufen

Sammlung nicht komplett?

Das Mindstyle-Magazin TRIP erscheint viermal jährlich im Terra Oceanis Verlag in Kooperation mit Pracimamedia. 2010 als deutsche Lizenzausgabe des brasilianischen Muttertitels gestartet, vermittelt es als junges, urbanes und männlich orientiertes Magazin mit erstklassigen Reportagen, packenden Fotostrecken und einer frechen Sprache eine eigene Sicht auf die Dinge. Neben Adventure, Sport, Street Art, Musik, Design, Motor und Fashion gehören Berichte über außergewöhnliche Menschen zum redaktionellen Programm. TRIP hat Gefühl und Tiefgang. Internationale Topautoren und -Fotografen sorgen für eine besondere journalistische Qualität.

Fehlt Dir was, willst Du mehr?  Zurückliegende oder weitere Ausgaben einfach per Mail bestellen unter shop@tripmagazin.de oder per Post bei der Redaktion TRIP, Oberer Ehmschen 77, 25462 Rellingen

1/2010 Erstausgabe „Obsession“
2/2010 „Rio de Janeiro“
3/2010 „Freiheit“
4/2010 „Love and Music“
1/2012 „Codes und Symbole“
2/2012 „Utopien“
3/2012 „Frauen“
1/2013 „No Limits“
2/2013 „Jenseits der Norm“
3/2013 „Inseln der Glückseligkeit“
4/2013 „Spuren der Erinnerung“
1/2014 „Gib mir Respekt“
2/2014 „Reality check“

 

Ausgabe 3/2014 „Liebe für alle, Hass für keinen“
4/2014 "Mystery"
4/2014 „Mystery“

 

Verlorenes Paradies
Mindstyle

Verlorenes Paradies

Ein Strand mit weißem Sand und kristallklarem Wasser, umgeben von Regenwald, Wasserfällen, Bächen und Lavahügeln: wenn sich Menschen ein Paradies erschaffen wollten, würden sie es sicher hier tun, an der Nordküste der Insel Kauai, die von vielen als der schönste der hawaiianischen Archipels angesehen wird. Tatsächlich waren zwischen 1969 und 1977 Umweltschützer, Bürgerrechtler, Kriegsveteranen und Surfer aus Kalifornien, New York und Florida an diesen fernen Ort gezogen, um ihre Träume von einem zwanglosen, unbeschwerten und glücklichen Dasein wahr werden zu lassen. Ein paar hundert Männer und Frauen errichteten Baumhäuser, bauten Obst und Gemüse an und feierten allerlei Partys – legale wie illegale.

Mitglieder der Kommune beim textilfreien Beach-Volleyball am Strand

„Das Taylor Camp war der Höhepunkt der Hippie-Fantasie an einem der schönsten Plätze auf dem Planeten“, erinnert sich der amerikanische Fotograf und Autor John Wehrheim, der damals das Leben der Hippie-Gemeinde im Auftrag einer Umweltorganisation dokumentierte und eine Reihe von Artikeln über das Camp und seine Bewohner verfasste. Seine Fotos entstanden größtenteils im Jahr 1975. 2009 brachte der Fotograf sein Buch „Taylor Camp“ heraus und produzierte zudem einen gleichnamigen Dokumentarfilm unter der Regie von Robert Stein, in dem sich ehemalige Bewohner an das damalige Leben erinnern.

Hollywoodstar Elizabeth Taylor und ihr Bruder Howard: Sie machten das Camp auf ihrem Grundstück möglich

Namensgeber für das Taylor Camp war Howard Taylor gewesen, Bruder der Schauspielerin Elizabeth Taylor. Das Gelände, auf dem sich die Hippie-Gemeinde niederließ, hatte damals ihm gehört. Aus Trotz darüber, dass die Regierung von Kauai vorhatte, sein Land zu enteignen, entschied Howard, die Fläche dreizehn jungen Menschen zur Verfügung zu stellen. Diese waren zuvor im Gefängnis von Hawaii für 90 Tage inhaftiert gewesen, weil sie an verbotenen Plätzen campiert hatten. Nach ihrer Entlassung hatten sie keine Bleibe.

Holz, Planen und Teppiche: Mehr brauchte es nicht für eine Behausung am Strand

„Mein Vater und meine Mutter nahmen sich zwei Autos und holten die jungen Leute ab. Das war der Beginn von Taylor Camp“, erinnert sich Tommy Taylor, der Sohn von Howard. Im ersten Jahr des Camps war Liz Taylor sogar persönlich dort, um es während der Weihnachtszeit zu besuchen. „Sie brachte einen Truthahn zum Abendessen mit. Ihre Söhne, Michael und Chris, waren damals noch Jugendliche und machten Ferien mit ihrem Onkel, Cousins und Cousinen. Alle schauten immer mal in Taylor Camp vorbei. Für die Jungen war es wie der Himmel auf Erden“, erzählt Wehrheim in seinem Buch.

John und Marie Clalanga schauen in den Himmel

In einer Zeit voll politischer Unruhen in den USA, dem Aufkommen der Friedensbewegung und dem Erstarken der Bürgerrechtsbewegung, wurde das Taylor Camp für manche zu einer Art Zufluchtsburg. „Alle im Taylor Camp waren auf der Flucht vor irgend etwas“, sagt der ehemalige Bewohner Bruce Kramer in John Wehrheims Buch. Die dreizehn Pioniere des Taylor Camps waren Studenten der Universität von Berkeley in Kalifornien, die bei Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg teilnahmen. Auf der Flucht vor polizeilichen Repressionen wählten sie Hawaii als Ziel. „Die Situation in Berkeley war damals ziemlich explosiv. Wir entschieden uns den Ort zu verlassen“, sagt die Erzieherin Sondra Schaub. Sie war eine der ersten, die im Camp als Flüchtling ankam.

Ungezwungene Nacktheit: Eine Besucherin geniesst die Freiheit im Camp

Für andere war der Aufenthalt dort eine Möglichkeit, um die Traumata der Vergangenheit zu überwinden. „Als ich aus Vietnam zurückkehrte, hatte ich viele Albträume“, sagt der Kriegsveteran James Mitchell. „Das Taylor Camp half mir, zur Ruhe zu kommen und wieder zu mir zu finden.“

Teri Green an der Nähmaschine. Ihre Tochter Emma liegt vor ihr in der Wiege

Für andere war es ein Ort der Rehabilitation. „Ich hätte wegen Alkohol oder Drogen sterben können, war auf der Flucht vor der Polizei von San Diego. Man hatte mich zweimal wegen meiner Kifferei verhaftet. Wäre ich dort geblieben, hätte ich das Sorgerecht für meine Töchter verlieren können“, sagt Suzanne Bollin, die heute als Verkäuferin eines Surf-Shops auf Hawaii arbeitet.

Baumhaus im Camp

Alle im Camp verspürten damals den Wunsch nach einem gesellschaftliches Ideal, das der Gegenentwurf sein sollte zur harten kapitalistischen Welt. „Wir suchten nach etwas, das nicht das war, was wir an der Schule und in unseren Familien kennengelernt hatten“, erinnert sich Cherry Hamilton. „Wir waren auf der Suche nach einer Alternative, und wir waren glücklich, dass wir diese im Taylor Camp gefunden hatten.“

Im Laufe der Jahre zogen weitere Surfer und Hippies nach Hawaii, angezogen von der Idee eines Lebens in lockerer Gemeinschaft ohne Hierarchie und Regeln, an einem Ort, wo man Marihuana, Haschisch und LSD ohne Angst vor Repressionen frei konsumieren durfte. „Wir wollten unser Bewusstsein und unsere Spiritualität erweitern“, sagt der Künstler David Lacock. „Tagsüber widmeten sich viele der Camp-Bewohner Aktivitäten wie Beach-Volleyball, Yoga oder Meditation.“ Jeder Tag war wie ein neues Abenteuer. „Wir konnten den Tag am Fluss verbringen oder über die hohen Klippen des Kalalau-Trails wandern“, sagt der pensionierte Kunstlehrer Francine Pearson. Nach Einbruch der Dunkelheit traf man sich mit Freunden zum Essen oder genoss das Zusammensein am Lagerfeuer.

Sich zu ernähren, war verhältnismäßig einfach: Die Bewohner des Taylor Camps konnten fischen und auf einen Garten zurückgreifen mit verschiedenen Gemüsen, Salat, Tomaten. Falls man andere Zutaten benötigte, ließen sich diese auf dem Markt im nächsten Ort erstehen. Neben dem Markt befand sich auch eine Poststelle, von der aus Briefe nach Hause geschickt werden konnten. Einige Camp-Bewohner suchten sich Jobs auf Bauernhöfen in der Umgebung, um etwas Geld zu verdienen. Die Kinder besuchten die örtliche Schule. Im Lager entstanden Gemeinschafts-Toiletten und Wasserstellen. Es gab einen sogenannten „Free Store“ für den Austausch jeglicher Art von Waren. Auch für ein Andachtsraum war gesorgt. Hier konnte man seinen jeweiligen Glauben kultivieren – egal ob es sich dabei um tibetischen Buddhismus, das Judentum oder die christliche Religion handelte.

Im Taylor Camp gab es zwar keine offizielle Regeln oder hierarchische Strukturen, aber sehr wohl eine Aufgabenteilung. „Einige kümmerten sich um den Müll, andere um das Wassersystem, die Waschräume oder den Volleyballplatz. Jeder tat das, was er am besten konnte“, erzählt David Pearson, ein inzwischen pensionierter Professor für Geschichte. „Falls es Konflikte innerhalb oder außerhalb der Gemeinschaft gab, oblag es den stärksten Männern, für Ordnung zu sorgen.“ So wurde Hawk Hamilton als eine Art Sheriff angesehen und David Pearson übernahm die Rolle des Polizisten. „Andere bildeten die Friedenstruppen im Camp“, erklärt John Wehrheim. „Informell gab es sogar einen Bürgermeister: Rosey Rosenthal. Er war auch verantwortlich für den Volleyball-Platz.“

Hippies beim Kartenspiel

Geschlechtliche Spannungen blieben auch im Taylor Camp nicht aus. Wie überall entstanden auch hier Paarbeziehungen, die mal von längerer, mal von kürzerer Dauer waren. „Weil alle ziemlich jung waren und oft gut aussahen, lag jede Menge sexueller Energie und Spannung in der Luft“, erzählt Teri Green: „Das galt sowohl für die Männer als auch für die Frauen.“ Und David Pearson verrät, dass er seinerzeit im Taylor Camp seine Frau Francine kennengelernte: „Inzwischen sind wir seit über 35 Jahren zusammen. Sie war das Beste, was mir je passiert ist“, sagt David.

Trotz der allgegenwärtigen Nacktheit und Hippie-Atmosphäre war das Taylor Camp nicht von hemmungslosen sexuellen Experimenten und Partnertausch bestimmt: „Wir hatten zwar recht wenig Klamotten an, waren aber ziemlich brav“, sagt die Maklerin Debi Green. „Es gab Paare und Beziehungen wie in jeder anderen Gemeinschaft, nur mit dem Unterschied, dass die Menschen einander weitaus näher waren“, ergänzt Acacia Siouix Morrison. Aus heutiger Perspektive bereuen manche der Ehemaligen, ihre Zeit im Taylor Camp nicht intensiver ausgelebt zu haben. „Ich hätte es mehr nutzen sollen, das wilde Leben. Leider kann man die Uhr nicht mehr rückwärts drehen“, murmelt der inzwischen 70-jährige Pearson.

Auf dem Gelände sind zahlreiche Kinder aufgewachsen. Die meisten haben bis heute gute Erinnerungen an die Zeit dort, trotz des Realitäts-Schocks mit der Welt außerhalb. „Zur Schule zu gehen war schwierig; vor allem für ein Kind aus dem Taylor Camp“, sagt Edler Alpin, der als Dreijähriger mit seinen Eltern in das Camp gekommen war. „Die anderen Kinder wollten nicht mit uns spielen. Meine Eltern konnten mir nicht helfen, ich war mit dieser Situation ganz auf mich allein gestellt“. Als Erwachsener wurde Alpin ein Ingenieur. Er strebte nach einem ganz anderen Leben als seine Hippie-Eltern. „Ich rebellierte. Ich wollte ein normales Leben führen, Sicherheit haben, in die Gesellschaft integriert sein.“ Seine ältere Schwester, Minka, starb im Alter von 21 Jahren an Aids.

Die wachsende Anzahl von langhaarigen bärtigen Hippies erregte die Aufmerksamkeit der Bewohner von Kauai und das Interesse der lokalen Presse. Unter den Einheimischen begann sich Widerstand gegen die Hippies und ihren oft als befremdlich empfundenen Lebensstil zu regen. „Diese Leute fragten ständig nach Mitfahrgelegenheiten, campten am Strand. Sie machten sich überall breit“, sagt Eduardo Malapit, Bürgermeister von Kauai 1974-1982. „Ich bekam immer mehr Beschwerden über das Taylor Camp. Die Hippies trugen keine Kleidung und pflanzten überall Marihuana. Sie bauten Häuser ohne Erlaubnis“, fügt er hinzu.

Im Jahr 1974 war Schluss. Staatliche Stellen liessen das Lager räumen und planieren. Die Fläche sollte künftig als Natur-Park genutzt werden. Nach drei Jahren juristischer Scharmützel wurden die letzten Bewohner, die noch vor Ort waren, vertrieben. „Die Polizei und die Behörden von Kauai kamen ins Lager, verhafteten die Leute und brannten ihre Häuser nieder. Es war schrecklich“, erinnert sich Francine Pierson.

Heute sind keine Spuren mehr vom Taylor Camp zu sehen. Außer einem Parkplatz ist die gesamte Fläche mit Wald bedeckt. „Meine Fotos legen Zeugnis ab von einem besonderen Moment im Leben der ehemaligen Camp-Bewohner“, sagt John Wehrheim. „Für einige ältere Camp-Bewohner, mit denen ich bis heute freundschaftlich verbunden bin, gehört diese Zeit nach eigenem Bekunden zu den besten Tagen ihres Lebens“. Und Francine sagt: „Es war wirklich ein magischer Ort, der bei allen, die dort lebten, für einschneidende Veränderungen gesorgt hat. Fast täglich habe ich Erinnerungen an Menschen, Landschaften, das Licht und den Geruch von diesem Ort. Es ist etwas, was in mir ist und ich werde es für immer bei mir tragen“.

Mehr Infos:

www.findingutopia.org

www.taylorcampkauai.com

Im Himmelbett
Photography

Im Himmelbett

Ein erotisches Foto braucht eigentlich nicht viel: Ein tolles Mädchen, ein schmeichelndes Licht, und eine Location, die hilft, eine Geschichte zu erzählen. Der junge Berliner Fotograf  Oliver Aukschun hat seine Kunst autodidaktisch erlernt, aber er hat schon ein gutes Gespür entwickelt für besondere Momente.

Die Aufnahmen von Claudia, die hier zu sehen sind, zeugen davon. Claudia, die ursprünglich aus einem kleinen idyllischen Dorf bei Bonn stammt, studiert Jura und lebt seit zwei Jahren in Berlin. Praktischer Weise wohnt sie zusammen mit einer Freundin in einer Altbau-WG, wo Retro-Möbel und ein stimmungsvolles Licht für eine ganz besondere Atmosphäre sorgen.

„Der ursprüngliche Plan sah ein gänzlich anderes Thema vor“, sagt Oliver, „aber das in ihr Zimmer fallende Licht lud in dem Moment so sehr zu diesen sinnlichen Bildern ein, in die wir uns sofort reingefunden haben.“  Der Faltenwurf des Lakens, die Dielen, der alte Sessel – man ahnt, wie kuschelig es bei Claudia sein kann.

Ein weisses Höschen und ein romantisches Shirt sind die einzigen Accessoires, mit denen die junge Studentin in eine verträumte und in sich gekehrte Welt abtauchte. Oliver durfte sie dabei mit seiner Kamera beobachten. Nur das schwindende Licht setze dann irgendwann den Schlusspunkt. Oliver ist seit ca. 2010 freiberuflich tätig und er freut sich über den Besuch seiner Webseite: www.oliveraukschun.com