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Küsse gegen die Kälte
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Küsse gegen die Kälte

Sie ist immer für Überraschungen gut. Einmal mehr schenkt uns die Fotografin Claudia Diaz eine poetisch gefärbte Kostprobe ihres Könnens. Vor einiger Zeit lernte sie die junge Brasilianerin Vivian kennen, die Europa bereiste, um mehr von diesem Teil der Welt kennen zu lernen. Was für Vivian völlig neu war: Die Erfahrung eines kalten Winters. Statt der ewigen Sonne in ihrer Heimat spürte sie plötzlich ein ganz andere Form von Licht auf der Haut. Sie erlebte das Kribbeln kühler Luft, die Schönheit des Raureifs, die Magie eines zugefrorenen Sees. Stets auf Achse, offen für neue Inspirationen.
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Dieses Gefühl von Freiheit und Neugierde eines Menschen, der aus einem anderen Kulturkreis zu uns kommt, wollte Claudia Diaz mit ihrer Kamera einfangen.
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Dabei sind sehr poetische Bilder entstanden: Wild, unangepasst, tiefgründig. Mit Feuer, Leidenschaft und Erotik trotze das Model Vivian der Kälte in unseren Breiten. Ebenso schutzlos wie selbstbewusst lies sich Vivian ein auf eine für sie neue Welt, bevor sie mit guten Freunden aufbrach zu einer Motorrad-Tour, um die facettenreiche Welt der Alpen kennenzulernen.  Freiheit, Lebenshunger und Entdeckerfreude ist das Motto der 19 Jahre alten Schönheit. „Mich interessiert nicht das, was man kaufen kann, sondern  das, was man fühlt“, sagt Vivian. Sie sammelt Eindrücke für die Schatzkiste ihres Lebens, will Menschen erleben, andere Kulturen. Das Wichtigste für sie ist die Offenheit für neue, andere Perspektiven.
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Organisator des Chaos
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Organisator des Chaos

Seine Karriere als Künstler läuft seit nicht mal drei Jahren, und schon hat Vitor Rolim die Wände des Google-Büros in São Paulo gestaltet, für Marc Jacobs ein Schaufenster-Konzept entwickelt, sowie Räumlichkeiten verschiedener grosser Unternehmen dekoriert – darunter die Bank HSBC, die Telefongesellschaft VIVO oder die Möbelkette Etna.

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Kaum hatte er der Werbebranche den Rücken gekehrt, um sich fortan als Künstler zu betätigen, ging alles sehr schnell. „Es war irgendwie ein Witz: eigentlich wollte ich nur für ein paar Monate Abstand gewinnen von meinem Job“, erzählt Rolim. „Ich hatte ein bißchen Geld gespart, also beschloss ich, Bilder zu malen und zu verkaufen, um zu sehen, was so geht. Ehe ich mich versah, wurde ich von Google engagiert“, erzählt er mit der Unbekümmertheit des Abenteurers, der sich zu jeder Zeit auf seine Instinkte verlassen kann.

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Sein kreatives Talent war Vitor Rolim in die Wiege gelegt. Er wuchs inmitten der Zeichnungen seines Vaters auf, ein Maschinenbauingenieur, die eine Karriere als Industrie-Designer gemacht hat und seinen Sohn immer beeinflusst und ermutigt hat. „Ich erinnere mich an die riesigen Entwürfe, die überall im Haus heumlagen.“ Später, als Jugendlicher, hatte er viel Freude am Kunstunterricht und es war nur eine Frage der Zeit bis er anfing zu malen. „Nachdem ich als 24jähriger mein erstes Bild verkauft habe, gab es kein Zurück mehr.“

 

Die Gemälde und Wandmalereien vom Vitor wirken aus der Ferne recht chaotisch, aber beim genauen Hinsehen erkennt man die Fülle an Details, Informationen und künstlerischen Referenzpunkten. „Ich stelle mir vor, wie Albert Einstein, zum Beispiel, oder Jimi Hendrix, Steve Jobs, Thomas Edison gemalt hätten… All diese Männer haben gelebt, um das Chaos zu organisieren und genau das tue ich auch“, erklärt er.

Und genau so sieht sich Vitor: Als Organisator des Chaos, als jemand, der durch seine schöpferische Arbeite die Flut an visuellen und akustischen Informationen,  die sich täglich über die Menschen ergiesst, einordnet und in Beziehungen setzt: „Alles ist irgendwie miteinander verbunden, erfüllt irgendeine Funktion in einer undurchschaubaren urbanen Maschinerie“, sagt er. „Meine Kunst spielt mit dem kollektiven Unbewussten von São Paulo. Meine Kunden sind Menschen, die mit gleichen Dingen wie ich aufwuchsen: Cartoon Network. Sie leben schnell und hart, wissen aber auch zu genießen“.

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Geboren an der Küste, in der Hafenstadt Santos, bewegt sich Vitor noch heute durch São Paulo mit den staunenden Augen eines Kindes.

Skizzen fertigt er in der Regel nicht an. Die ursprüngliche Idee von dem, was er malen will, existiert nur in seinem Kopf, alles ist Improvisation. Von anderen reinreden läßt sich Vitor Rolim schon gar nicht. Kreative Freiheit steht für ihn an erster Stelle. „Ich male, was ich will, das mache ich meinen Kunden gleich zu Anfang klar“. Und immer alles schwarz auf weiß. „Mein Leben war schon immer sehr schwarz und weiß, sehr praktisch, kein Bullshit“.

Obwohl sich seine Kunst als ein Spiegelbild des gesellschaftlichen Chaos versteht, erkennt man einen klaren roten Faden. „Alle meine Werke zusammen erzählen mehr oder weniger die gleiche Sache. Sie sind miteinander verbunden und bilden sozusagen ein einziges riesiges Wandbild, um Menschen zu inspirieren. Die Aufgabe meiner Bilder ist es nicht, den Finger in gesellschaftliche Wunden zu legen oder politische Mißstände anzuprangern, sondern sie sollen Leute zum Lachen bringen nach einem anstrengenden Arbeitstag“.

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Trotz aller Verspieltheit hat der 30 Jahre alte Künstler einen gesunden Instinkt für die geschäftliche Seite. Vor kurzem gründete er sogar eine Firma zur Vermarktung seiner Arbeiten. Beispielsweise startete in diesem Monat der Verkauf von Schulprodukten mit seinen Zeichnungen: Es gibt Rolin-Rucksäcke, Federmäppchen und Hefte. „Ich mag diese Form der Multiplikation“, lacht er.  „Ein Bild ist nur ein Bild. Für meine Zukunft stelle ich mir etwas anders vor. Mehr Mauricio de Sousa, mehr Walt Disney, meine Kunst soll die Menschen in vielerlei Hinsicht erreichen“. Und damit nicht genug: „Irgendwann möche ich noch meinen eigenen Zeichentrickfilm haben, eine Ausstellung in Asien machen und ein Bild im Weltraum zeichnen“. Warum auch nicht?

© JIMMY NELSON, ROCK OF RAH
RAH LAVA ISLAND, TORBA PROVINCE, VANUATU ISLANDS, 2011
Photography

Schönheit, Stolz und Würde

»Einzigartig« umschreibt die von Jimmy Nelson Porträtierten in vielerlei Hinsicht am treffendsten: Derart unvergleichbar faszinierend sind die rot, gelb und weiß geschminkten Huli Wigmen aus Papua-Neuguinea, so exotisch ist der Karo-Stamm aus Äthiopien und so ergreifend das Himba-Volk in Namibia. Stammesvertreter der letzten indigenen Völker auf der Erde sind die Protagonisten der Photographien des Künstlers Jimmy Nelson. Die Arbeiten gehen weit darüber hinaus, die vage Vorstellung der Öffentlichkeit über deren Existenz mit einem nüchternen visuellen Beleg zu bedienen.

 

© JIMMY NELSON, ERGAKIM ALTANTSOGTS, BAYAN OLGII, MONGOLIA, 2011
© JIMMY NELSON, ERGAKIM
ALTANTSOGTS, BAYAN OLGII, MONGOLIA, 2011

Jimmy Nelson schafft mit seiner epochalen Serie ein Bewusstsein für die faszinierende Vielfalt der kultur-, und geschichtsträchtigen Symbole dieser Völker, die Zeugenschaft über deren Riten, Bräuche und Traditionen abliefern. Seine Reisen führten Nelson unter anderem nach Äthiopien, Tansania und Kenia, nach China und Nepal oder auch nach Sibirien und durch die Mongolei. Der kulturelle Reichtum der indigenen Bevölkerung dieser Länder differenziert sich bei jedem einzelnen Stamm auf jeweils eigene Weise neu und andersartig aus. Über die prunkvollen Pelzgewänder der Kasachen aus der Mongolei, die farbenprächtigen Tücher der Massai in Tansania, den Perlen- und Federschmuck der Einwohner Gorokas in Papua-Neuguinea, die tätowierte oder kunstvoll bemalte, aber auch die ungeniert bloß gezeigte nackte Haut der Kara in Äthiopien wird der Betrachter im Exotisch-Unvertrauten mit dem genuin Anderen konfrontiert. Eine mitunter gar mystischeAtmosphäre wird evoziert. Der positiven Irritation über die real existente Mannigfaltigkeit der kulturellen Hervorbringungen der Erdbevölkerung wohnt zugleich ein mahnender Appell zu deren Schutz und Bewahrung inne. Neben der Befremdung wird eine Brücke geschlagen über den all diese kulturellen Artefakte einenden Ausdruck des Bemühens um Schönheit, der sich auf der Ebene der Bildkomposition und -ästhetik wiederholt und so schließlich auch den Betrachter über die ästhetische Empfindung integriert.

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© JIMMY NELSON, GOROKA, EASTERN HIGHLANDS, PAPUA NEW
GUINEA, 2010

Jimmy Nelson ist kein Wissenschaftler, vielmehr erzählt er Geschichten und lässt dem Rezipienten Raum für Fragen, anstelle diese vorab beantworten zu wollen. Dies gelingt ihm dank eines auf der ethnologischen Ebene bisher einzigartigen stilistischen Ansatzes. Die in der Ausstellung über 80 – teilweise großformatigen – Arbeiten entziehen sich einer klaren Kategorisierung: Sie oszillieren zwischen visuellem Authentizitätsbeleg und Ausdruck eines gemäß Leitmotiven von Schönheit, Stolz und Würde verpflichteten Kompositionskalküls. Stolz und Würde strahlen auch die Blicke der Stammesvertreter in den Porträts aus, die kraftvoll genug sind, auch vor häufig ganz ausgeblendetem Hintergrund über sich selbst hinaus zu weisen, eben jene Geschichten zu erzählen, die Jimmy Nelson auf seinen Reisen gefunden hat. Aus dem direkten Blick eines der Dassanetch-Mädchen in die Kamera spricht ein geradezu herausforderndes Selbstbewusstsein, das sich auch aus der Gewissheit der Einbettung in den Stammeszusammenhalt zu speisen scheint, wie die Vertrautheit und Schutz suggerierenden Gesten zwischen den drei Mädchen nahelegen. Gleichermaßen schwingt im in die Ferne schweifenden Blick der beiden anderen eine Schwermut aber auch Grazie über den Moment des Photographiertwerdens mit. Sanftheit und Stärke zugleich sprechen wiederum aus den Augen des Maori-Mädchens, das ein reich mit Federn bestücktes Gewand trägt.

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© JIMMY NELSON, RAUWHIRI WINITANA PAKI
TAUPO VILLAGE, NORTH ISLAND, NEW ZEALAND, 2011

Die Photographien verführen geradezu, indem sich darin über den Schmuck und die Bemalungen ihrer Protagonisten eine Welt an unbekannten Zeichen eröffnet, deren Referenzwerte sich dem Betrachter entziehen. Zugleich finden sich etwa in der Weise der Positionierung der Stammesvertreter vor episch anmutenden Landschaften Ikonografien, die dem Fundus des Rezeptionshorizonts der globalisierten Welt entlehnt sind. Von Berggipfeln und Anhöhen übersehen die Protagonisten ihr Territorium, mit dem sie zugleich in harmonischer Einheit verbunden zu sein scheinen, wie damit auch ein eindeutiger besitzmarkierender Gestus einhergeht.

Pfeil und Bogen, wie sie die beiden Männer auf Vanuatu bei sich tragen, oder die Positionierung mit in die Erde gerammten Speerenden der drei hinterrücks photographierten Männer des Samburu-Stammes, unterstreichen diesen Gestus zusätzlich. In den Werken überlagern sich also verschiedene Betrachtungsebenen. Die Authentizität ihres Inhalts wirft den Betrachter zugleich darauf zurück, innerhalb welchen Rahmens er diese attestieren kann.

© JIMMY NELSON, GAUCHOS, ARGENTINA, 2011
© JIMMY NELSON, GAUCHOS, ARGENTINA, 2011

Der Körper ist für die Protagonisten Schmuck gleich dem, mit dem er versehen ist. Dieses Spiel mit Zeichen, das Nelson in seiner Bildsprache wiederholt, schreibt den Arbeiten eine Doppelbödigkeit ein, ist letztlich auch ein Spiel mit dem Schein. Diesen zu hinterfragen ist eine der zentralen Botschaften, die Nelson für sich auf seinen Reisen mitgenommen hat.

Jimmy Nelson
JIMMY NELSON

Über Jimmy Nelson

1967 in Kent geboren, ist Jimmy Nelson seit 1987 als Photograph tätig. Bereits nach seinem Schulabschluss durchquerte er zu Fuß auf einer einjährigen Reise Tibet und ermöglichte mit seinem photographischen Tagebuch der Öffentlichkeit Einblicke in ein bisher unzugängliches Land. Einer Vielzahl an aktuellen kulturellen Themen, mit deren photographischer Dokumentation er betraut war, schloss 1994 das 30-monatige Projekt »Literary Portraits of China« an. Die Werke wurden nach Abschluss zunächst im Palast der Republik auf dem Tiananmenplatz präsentiert und begründeten eine weltweite Ausstellungstour. Neben seiner erfolgreichen Tätigkeit als professioneller Werbephotograph, vertiefte Nelson diesen ethnologischen Ansatz seiner künstlerischen Arbeit. Das einzigartige visuelle Resultat seiner Arbeit mit einer über 50 Jahre alten Plattenkamera von 13 Reisen in über 40 Ländern mündete durch die überwaÅNltigende internationale Resonanz schließlich in seiner monumentalen Serie »Before They Pass Away«. Den letzten indigenen Völker setzt er damit ein stilistisch einmaliges Denk-, der Öffentlichkeit ein Mahnmal derer gefährdeten Existenz. Jimmy Nelsons Enthusiasmus, mit dem er seine Arbeit verfolgt, speist sich nicht aus einer rein dokumentarischen Intention. Er versteht sich nicht als Wissenschaftler, der sich um Fakten bemüht. Er ist Romantiker, Idealist, Ästhet: Erst aus dem Zusammenspiel all dieser Blickwinkel entsteht das in seiner Ikonografie und Stilistik faszinierende Werk.

© JIMMY NELSON, ROCK OF RAH RAH LAVA ISLAND, TORBA PROVINCE, VANUATU ISLANDS, 2011
© JIMMY NELSON, ROCK OF RAH
RAH LAVA ISLAND, TORBA PROVINCE, VANUATU ISLANDS, 2011

»Before They Pass Away« wurde 2013 in ein imposantes und gleichnamiges Photobuch (teNeues) gefasst, welches mit dem Goldenen Deutschen Fotobuchpreis 2014 ausgezeichnet wurde.

Jimmy Nelson wird exklusiv von CAMERA WORK in Deutschland vertreten. Seine in kleinen Editionen verfügbaren Photoarbeiten sind bei CAMERA WORK verfügbar.

Info

Ausstellung ab dem 8. März 2014
CAMERA WORK ⋅ Kantstraße 149 ⋅ 10623 Berlin · Di–Sa 11–18 Uhr
Tel +49 (0)30 – 3100773 ⋅ Fax +49 (0)30 – 31007750 ⋅ www.camerawork.de ⋅ info@camerawork.de