Mal richtig Druck machen

Der 3D-Druck gilt die nächste industrielle Revolution. Er wird unseren Alltag verändern. Erste Eindrücke gibt die Ausstellung “3D: Dreidimensionale Dinge drucken”, die derzeit im Museum für Gestaltung Zürich zu sehen ist.

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Ein Stuhl, ein Schuh oder Schmuck aus dem Drucker? Was vor Jahren noch unmöglich schien, ist heute Realität: Digitale Druckmaschinen können verschiedenste Gegenstände fertigen, indem sie geeignete Materialien sukzessive aufschichten. So entstehen Möbel und Kleidungsstücke aus Kunststoff oder Zahnprothesen und Flugzeugbauteile aus Metall. In Experimenten wurden aber auch schon Nahrungsmittel und menschliches Gewebe auf diese Weise hergestellt. Dreidimensionales Drucken ermöglicht eine Freiheit der Form und oft auch eine Gewichtsersparnis, die mit anderen Techniken nicht erreicht werden können. In der Serie Fabrikation wiederum können mehrteilige Objekte in einem einzigen Druckvorgang entstehen, oder ein Entwurf wird variiert, um individuelle Wünsche umzusetzen. Eine Aussstellung im Museum für Gestaltung Zürich zeigte, was heute schon alles möglich und für die Zukunft denkbar ist. Neben Druckmaschinen in Funktion präsentiert die Ausstellung die Arbeit von Designern, Architekten, Ingenieuren, Medizinern und Biologen. Und sie untersucht das Potenzial des 3D-Druckens, in nicht allzu ferner Zukunft die bestimmende Produktionsweise überhaupt zu werden.

Das holländische Architekturbüro Universe Architecture hat beispielsweise die Pläne einer ziemlich ungewöhnlichen Villa veröffentlicht, deren Bauteile mit einem 3D-Drucker gefertigt werden sollen. Das Gebäude mit dem Namen «Landscape House» hat die Form einer unendlichen Schleife, auch bekannt als Möbiusband. «Die Landschaft ist endlos, und unsere Fragestellung war, ob wir ein Haus kreieren können, das keinen Anfang und kein Ende hat», erklärt der verantwortliche Architekt Janjaap Ruijssenaars die Idee hinter dem Projekt.

Frisch und stylisch aus dem Drucker: Das Landscape House hat die Form einer unendlichen Schleife.

Das Haus ist viel zu gross, um in einem Stück gedruckt zu werden. Deshalb soll es aus einzelnen Bauelementen zusammengesetzt werden. Sie sind jeweils 6 x 9 Meter gross und bestehen aus einer Mischung aus Sand und einem anorganischen Kleber. Gefertigt werden sie mit dem Drucker D-Shape des Italieners Enrico Dini. Die Maschine legt Schichten von 5 bis 10 mm Dicke aufeinander. Einmal ausgetrocknet sollen die Materialeigenschaften Marmor ähneln. Ob die Festigkeit für die spezielle Form des Landscape House ausreicht, ist allerdings unklar. Enrico Dini habe deshalb vorgeschlagen, Negativformen der Bauelemente auszudrucken und diese anschliessend mit Zement auszugiessen. Verläuft alles nach Plan, soll 2014 das erste Haus realisiert werden. Architekt Ruijssenaars träumt davon, dass in jedem Land rund um den Globus eines der Häuser zu stehen kommt.

Auch in der Raumfahrt wird das 3-D-Drucken eine grosse Rolle spielen: Die ESA hat am  Ende Januar 2013 einen 3D-Drucker vorgestellt, der Bauteile für eine künftige Mondsiedlung vor Ort herstellen könnte.

Die Idee: Mit Steinen aus dem 3-D-Drucker werden Iglu-ähnliche Kuppeln gebaut, die vor Mikrometeoriten und Weltraumstrahlung schützen sollen. Im Innern der Kuppel soll ein aufblasbarer Druckkörper den Lebensraum für die Astronauten bilden.

 

Quasi als «Papier» verwendet der Drucker mit Magnesiumoxid vermischtes Mondmaterial, auch Regolith genannt, als «Tinte» ein strukturgebendes Salz, welches das Material in einen steinartigen Festkörper verwandelt.

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