TÜRÖFFNER DER SEELE

Wie Musik den Lauf unseres Lebens spiegelt

Oft beginnt eine Liebe mit einem Song, und nicht selten handelt ein Song vom Beginn einer Liebe. Musik ist das sinnlichste Ausdrucksmittel unserer Gefühle: Weder Malerei noch Literatur wirken so direkt, nur Klänge beeinflussen Unterbewusst- sein und Körper ähnlich stark. Musik ist Drama, Leidenschaft, Hingabe, Hoffnung, Trost, Erotik. Musik erzählt wundervolle Märchen und traurige Geschichten. Jeder hat seine Lieblingstracks, die Kraft geben, für gute Laune sorgen. Musik treibt die Hormone, putscht auf, beruhigt, lässt träumen. In ihr kanalisiert sich der Schmerz des Abgewiesenen genauso wie glücklicher Jubel.

Dieses Heft mit dem Themenschwerpunkt „Love & Music“ widmet sich aus verschiedenen Perspektiven einem Phänomen, das im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht. Eine Feier ohne Musik – unvorstellbar. Musik lässt uns tanzen, einander näherkommen. Nicht nur deshalb ist die Geschichte der populären Musik auch eine Geschichte der sexuellen Befreiung. Melodie, Rhythmus und Klang bilden den größtmöglichen gemeinsamen Nenner, erlauben es, unverfänglich Signale der Anziehung und Verbundenheit zu senden. Einander wildfremde Menschen fallen sich bei Festivals in die Arme, Discotheken funktionieren deshalb als Balzplatz, weil die Druckwelle aufputschender Beats enthemmt und archaische Bewegungsimpulse weckt. Der Zusammenhang zwischen Liebe und Musik zeigt sich selbst dann, wenn Vinyl-Liebhaber von ihrer Plattensammlung schwärmen oder andere mit dem Saxophon zu Jesus beten. Musik gehorcht nicht der Logik kalter Vernunft, sondern allein den Emotionen und kann damit zum Glaubensinhalt werden. Selbst die am Computer aus Sound-Schnipseln zusammengesetzte Retortenmusik macht dies spürbar, wie unsere Reportage über jene DJs zeigt, die von ihren Fans fast wie Götter verehrt werden und Tausende von Menschen zeitgleich in Ekstase versetzen.

Folgen Sie uns in eine der schönsten aller Welten, versuchen wir zu verstehen, was die Soul-Legende Barry White mit dem Satz meinte: „Ich weiß, dass ich mit Liedern weder Kriege stoppen noch das Rassenproblem lösen kann. Wenn mir aber eine Frau sagt, ihr Mann sei im Bett freier, nachdem er meine Platten gehört hat, macht mich das happy. Lasst mich also meinen kleinen Beitrag dazu leisten, den Krieg im Schlafzimmer zu beenden.“

Editor: Thomas Garms

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